Dieser Artikel beschreibt den geschichtlichen Verlauf des Korps
... dies erkannten anno domini 1935, einige verantwortungsbewusste Bürger und beschlossen, ein Organ zu schaffen, das die Sicherheit und Sittlichkeit während der närrischen Tage - in Niedermendig wurde bekannterweise schon lange vor der Jahrhundertwende feste Fasenacht gefeiert - garantieren sollte.
Der Karnevalist Hans Dernbach rekrutierte als Kommandant eine Anzahl junger Draufgänger und hob mit ihnen das Niedermendiger Stadtsoldaten Korps aus der Taufe. Ein unabhängiges, die Ideale der Niedermendiger Fasenacht bewahrendes Korps, das bis heute eine schillernde, bedeutende Facette im Gesamtbild des heimischen Brauchtums ist.
Wie es bei Soldaten nun mal üblich ist, verschwor man sich in den Gründerjahren ( aber auch heute ) mehr der praktischen Ausübung karnevalistischer Aktivitäten und vernachlässigte dafür sträflich die Führung der Aktivitätentagebücher: Die Erinnerung von Zeitzeugen und einige Fotos aus jener Zeit stellen die einzigen Dokumente dar, auf die sich der Chronist beziehen kann.
Die Entwicklung des Korps gedieh prächtig: Im Jahre 1939 paradierten an die zwanzig stolze, uniformierte Stadtsoldaten durch Niedermendig und übten ihre närrische Exekutivgewalt in Form des gefürchteten Feme-Gerichtes, das bis heute Bestand hat, aus. Unbestechliche Richter fällen am Veilchendienstag damals wie heute ihr gnadenloses aber gerechtes Urteil über alle Sünder wider die "närrischen Etikette"; unbarmherzige Scharfrichter vollstrecken sofort!
Leider setzte die Geschichte bald eine Zäsur, aber nach dem schrecklichen
Zweiten Weltkrieg ging es im Jahre 1949 auch bei und mit den Stadtsoldaten
wieder aufwärts.
Dem unvergesslichen Kommandanten Anton Krämer, Vizekommandant Josef
Henrichs und dem liebreizenden Funkenmariechen Leni Rönz stellte sich
eine stattliche Anzahl junger Männer zur öffentlichen Musterung,
auch das Feme-Gericht wurde wieder ins Leben gerufen.
Die Zeiten waren schlecht jedoch Not macht erfinderisch: In einer Session gelang es, den verblüfften Niedermendigern weiszumachen, man habe sich eine neue Uniform geleistet, indem man die alte, verschlissene mit dem Futter nach außen, also "auf links" trug.
Die Firma Hahnstein belohnte diesen Erfindungsreichtum und war den Stadtsoldaten bei der Beschaffung einer neuen Ausstattung behilflich, so dass sich das gesamte Korps 1955 in einer schmucken neuen Uniform präsentieren konnte.
Im Jahre 1950 sorgte ein Niedermendiger Bürger mit Kölsche Wurzeln
für die Einstudierung einer Spezialität, deren Aufführung noch
heute das Publikum zu Beifallsstürmen hinreißt: Das Stippeföttche.
Als Wibbelföttche begonnen entwickelte sich dieser Tanz als nicht mehr aus der
Niedermendiger Fasenacht wegzudenkender Höhepunkt bei den Auftritten auf
heimischen Bühnen.
In den folgenden Jahren stabilisierte sich das politische und wirtschaftliche Umfeld und
damit auch das närrische Leben und Treiben.
Manch finanzieller Engpass musste zwar noch gemeistert, personelle Unterbesetzungen
ausgeglichen und Stimmungstiefs verarbeitet werden, das Niedermendiger Stadtsoldaten
Korps etablierte sich im Vereinsleben Niedermendigs und erwuchs zu einem
verlässlichen Mitstreiter für all die anderen an der närrischen Front
agierenden Vereine.
Zum Glück ist das Grundwerk für die Organisation und den Ehrenkodex der Stadtsoldaten erhalten, die "Richtlinien-Stellung-Hinweise für das Stadtsoldaten Korps" von 1960, in dem hohe Ideale, deren Gültigkeit auch heute nicht diskutiert wird, festgeschrieben wurden: Ein untadelig fröhliches, von der Sauberkeit der Uniform und im Umgang mit Alkohol von Zurückhaltung geprägtes Auftreten in der Öffentlichkeit war und ist für alle Mitglieder des Korps ein Muss, "es wirkt (auch) unschön, wenn bei einer evtl. Zurechtweisung durch die Vorgesetzten in der Öffentlichkeit demselben nachgemault wird!" Ursprünglich fixierte man die Personalstärke in dieser stadtsoldatischen Magna Charta auf
Aber man erkannte bald , dass die an der hitzigen Front Kämpfenden mehr weiblicher Unterstützung bedurften und gestattete deshalb interessierten Ehefrauen und Freundinnen innerhalb des Korps ein Damenkorps zu bilden, gedacht, regen Anteil am Vereinsleben zu nehmen, was die Damen bis zum heutigen Tag mit Begeisterung praktizieren.
Bis zum Jahre 1979 führte der Erzkarnevalist "Jupp" Henrichs als Kommandant das Korps in seiner unnachahmlichen Manier im Vereinsleben und auf der Bühne. 1973 besiegelte er taktisch die notwendige Eingliederung in die KG Niedermendig und gewährleistete durch seinen unermüdlichen Einsatz für die Stadtsoldaten und die Fasenacht den Erfolg des gesamten Korps.
War es zu Anfang der 70er Jahre das Tanzpaar Karin Becker und Willi Helmes, begeisterte in den Jahren danach der Tanzoffizier Klaus Löhr mit den Funkenmariechen Birgit Röser, Hanna Urmitzer,Therese Rausch, Sigrid Lenzen und Johanna Schüller das Publikum, 1978 abgelöst durch das Tanzpaar Herbert und Sigrid Mintenig (geb. Lenzen), das eine Dekade lang die Herzen des närrischen Publikums tänzerisch im Sturm eroberte.
1979 fiel das Amt des Kommandanten auf die in langjähriger Stadtsoldatenpraxis gestählte Persönlichkeit des Klaus Scholich, der in seiner ruhigen, trotzdem bestimmenden Art das Korps auf einen Höhepunkt hinsteuerte:
Gefeiert wurde das stolze "goldene" Fest in der Obermendiger Schützenhalle, ein Indiz
mehr für die verbindende Funktion des Korps zwischen den zusammenwachsenden Stadtteilen
Mendigs.
Für den im darauffolgenden Jahr stattfindenen Fasenachtsumzug, baute man zur freudigen
Überraschung des närrischen Volkes einen gitterbewehrten, ausbruchsicheren
"Gefängniswagen", in den sich die verhafteten Sünder "wider die närrischen
Etikette" gerne setzten um sich zur Verurteilung zum Feme-Gericht karren zu lassen.
Praktischen Sinn und Fähigkeiten bewiesen die Stadtsoldaten mit dem blitzschnellen
Umfunktionieren des Wagens zur Feldküche mit der man anschließend während
des Fasnachtszuges glänzte.
Wegen seiner Verdienste um die Mendiger Fasenacht und das Niedermendiger Stadtsoldaten Korps wurde Klaus Scholich 1985 zum Stadtmarschall ernannt. Kommandantengewalt erhielt an seiner Stelle der junge aufstrebende Hans-Dampf-in-allen- Gassen Jürgen "Dennis" Zellner, dessen karnevalistische Karriere 1969 als Niedermendiger Kinderprinz begonnen hatte. Unter seiner Regie schnitt man endgültig einige alte Zöpfe ab.
Die Öffnung zur Jugend wurde mit einem Anwachsen der Mitgliedszahlen belohnt und die in den
vergangenen Jahren gezeigten Tänze, die Mitgestaltung der Fasenacht und die Mitwirkung im
lebendigen Mendiger Miteinander beweisen, dass Engagement und Leistung zu einem hohen Niveau des
gesamten Korps führen kann.
Zudem bildeten 1995 einige junge Damen eine neue Tanzgruppe, die sich als Tanzgarde der
Stadtsoldaten auf vielen Bühnen bestens präsentiert.
Mag das folgende Bild auch eine komplette Optik suggerieren, für tanzbegeisterte Jungfunken und alle, die gerne Fasnacht feiern und das Vereinsleben schätzen, findet sich immer ein Platz bei den Niedermendiger Stadtsoldaten.